Archiv2021-02-02T16:06:05+00:00

Auflistung aller älteren Beiträge

Wir haben die älteren Beiträge nicht geläscht. Die ersten Berichte schrieben wir im Jahre 2010. Die Formatierung und Gestaltung hat in diesen vielen Jahren ein paar Mal geändert. Wir haben das absichttlich so belassen. Nachfolgend sind alle aufgeführt – viel Vergnügen beim Durchstöbern

Weihnachtszeit

AE – Ich habe im Internet zufällig die folgende Kurzgeschichte gesehen. Für mich zeigt sie auch, dass Hilfe (Entwicklungshilfe) nicht eine kurzfristige Hilfe ist – wir können immer und jederzeit helfen.

Langer Weg – Teil des Geschenkes

Autor unbekannt

Auf einer abgelegenen Südseeinsel lauschte ein Schüler aufmerksam der Weihnachtserzählung der Lehrerin, die gerade erklärte: „Die Geschenke an Weihnachten sollen uns an die Liebe Gottes erinnern, der seinen Sohn zu uns auf die Erde gesandt hat, um uns zu erlösen, denn der Gottessohn ist das größte Geschenk für die ganze Menschheit. Aber mit den Geschenken zeigen die Menschen sich auch untereinander, dass sie sich lieben und in Frieden miteinander leben wollen.“
Am Tage vor Weihnachten schenkte der Junge seiner Lehrerin eine Muschel von ausgesuchter Schönheit. Nie zuvor hatte sie etwas Schöneres gesehen, das vom Meer angespült worden war.
„Wo hast du denn diese wunderschöne und kostbare Muschel gefunden?“, fragte sie ihren Schüler.
Der Junge erklärte, dass es nur eine einzige Stelle auf der anderen Seite der Insel gäbe, an der man gelegentlich eine solche Muschel finden könne. Etwa 20 Kilometer entfernt sei eine kleine versteckte Bucht, dort würden manchmal Muscheln dieser Art angespült.
„Sie ist einfach zauberhaft“, sagte die Lehrerin. „Ich werde sie mein Leben lang bewahren und dich darum nie vergessen können. Aber du sollst nicht so weit laufen, nur um mir ein Geschenk zu machen.“
Mit leuchtenden Augen sagte der Junge: „Der lange Weg ist ein Teil des Geschenkes.“

Rückblick zum Bau des Kindergartens

Geduld hat sich gelohnt

Seit 2010 halten wir uns jährlich von Dezember bis Mai als Volontäre in Ecuador auf  und unterstützen die indigene Bevölkerung (Ureinwohner). Vreny arbeitet vorwiegend mit den Frauen und lernt diese kochen, backen, Konfitüre machen, Strümpfe stricken usw. Auch erledigt sie viel Arbeit bei den Salesianer-Padres im Pfarrhaus und in der Katechese. Eddy, ehemaliger Lehrer und Hobbyschreiner, versucht die Arbeiter auf dem Bau zu einer sorgfältigeren Arbeit zu animieren, erledigt in der Stadt viele Einkäufe für den Bau und hilft im Informatikbereich. 

Kindergarten

Im Februar-März 2011, als wir uns in Ecuador befanden, haben wir angefangen für einen Kindergarten in der Gemeinde Simiatug Geld zu sammeln. Simiatug ist eine Gemeinde nicht weit vom Chimborazo (6 310 m) entfernt, dem höchsten Vulkanberg von Südamerika. Die Gemeinde umfasst ein Gebiet in der Grösse wie die Bezirke Östlich Raron und Goms zusammen. Höhenmässig erstreckt sich dieses Gebiet von 2’500 bis ca. 4’500 m über Meer. Der Hauptort liegt auf 3’200 m. In fast allen Weilern (zirka 42 insgesamt) hat es eine Schule und einen Kindergarten. Die Familien sind sehr kinderreich und so zählt fast jeder Weiler an die 100 Kinder.

IMG_7132Der Kindergarten vom Weiler Tahuato hat uns inspiriert, Geld zu sammeln, um die Situation der Kinder zu verbessern.

Unsere Familie, viele Bekannte und Freunde haben uns grosszügig unterstützt. Bald einmal hatten wir ca. CHF 15’000 beisammen. Dies veranlasste uns, nicht einen kleinen Kindergarten wie den in Tahuato, sondern einen etwas grösseren in Angriff zu nehmen. Die Bewohner vom Weiler Santo Domingo wünschten sich schon länger einen Kindergarten mit einer Küche und einem Essraum. Nach einer ersten Kostenschätzung sollte der Kindergarten rund CHF 25’000 kosten. Doch, wie teilweise auch bei uns, kommen in der Planungsphase immer neue Wünsche dazu. So kamen wir schlussendlich – inkl. WC und Duschen mit solarbeheiztem Wasser – auf eine Projektsumme von CHF 33’000.

IMG_8599Im April, kurz vor unserer Rückreise in die Schweiz, wurde mit dem Bau begonnen . Als wir im kommenden Dezember zurück nach Simiatug kamen, mussten wir feststellen, dass nicht genau nach Plan gearbeitet wurde. So wurde z.B. die Eingangstüre nicht dort gemacht, wo sie geplant war und auch der Bau des Dachs erfolgte nicht plangemäss. Flexibel muss man sein in Ecuador – das haben wir inzwischen gelernt – auch was das Leben allgemein betrifft.

In den folgenden Monaten wurde fleissig am Kindergarten weitergearbeitet. Die Bewohner wollten während der Fasnacht 2012 die Einweihung feiern. Da aber noch etliche Arbeiten nicht erledigt waren und wir mit einer unsererTöchter in Ecuador unterwegs waren, wurde die Eröffnung verschoben. Als wir Mitte Mai wieder in die Schweiz zurück kamen, fehlten IMG_7504bloss noch die Malerarbeiten und die Abschlussarbeiten in den Duschen mit den Solarpanels.

Im Dezember 2012, wieder in Ecuador, mussten wir feststellen, dass während den 6 Monaten unserer Abwesenheit nichts gemacht wurde. Wir waren nicht gerade erfreut. Schliesslich mussten wir die Abschlussarbeiten selber in die Hand nehmen. Leider stellte sich dabei heraus, dass das Flachdach, das erstellt wurde, nicht dicht war. So mussten die Solarpanels abmontiert und eine Schicht Beton abgetragen werden. (Bild: Abbruch_decke.jpg)Dann wurde eine neue Betonschicht aufgetragen, wobei wir diesmal darauf achteten, dass das Wasser abfliessen konnte und sich bei Regen keine Pfützen auf dem Dach bilden konnten. Zum Schluss wurden die Solarpanels erneut montiert. Neben den Duschen, sollen die Solarpanels auch in der Küche für warmes Wasser sorgen. Es dürfte sich in den Anden von Ecuador um die erste Kindergartenküche mit Warmwasser handeln.

Ende März hatte Eddy bei den Abschlussarbeiten einen Arbeits-Unfall, was dann zur Folge hatte, dass wir vor unserer Rückkehr nicht alles erledigen konnten, was wir gerne noch erledigt hätten. Trotzdem konnten die Arbeiten beendet werden und unser Kindergarten wurde am 23. April – nach genau 2 Jahren Bauzeit – eröffnet. Mit Padre Sandro – einem der beiden Salesianer-Padres – feierten wir eine Messe zur Einsegnung. Anschliessend gab es, wie dies in Ecuador üblich ist, ein Festessen mit „Meerschweinchen“ und Kartoffeln und eine örtliche Musikgruppe spielte zum Tanze auf. Auch die Kleinen tanzten kräftig mit.

SONY DSCWas nun noch zu erledigen bleibt: Aufräumen um das Gebäude herum. Mit diesen Arbeiten können die Einheimischen ihr Soll an Minga (Gmeiwärch) aufbessern. Die anfangs gute Mitarbeit liess nämlich während der relativ langen Bauzeit immer mehr nach, bis schliesslich niemand mehr mithalf.

In diesen zwei Jahren haben wir von vielen Bekannten und Freunden grössere und kleinere Geldbeträge erhalten. Der Kindergarten, der schliesslich CHF 36’000 kostete, konnte problemlos finanziert werden. Uns stehen sogar noch einige Tausender zur Verfügung. Mit diesen wollen wir den Salesianer-Padres – vor allem Padre Sandro – weiter unter die Arme greifen. Er hat in den letzten 2 Jahren noch andere Kindergärtenbauten in Angriff genommen. Ihm ist in der Zwischenzeit das Geld ausgegangen und es konnten einige Werke nicht fertigerstellt werden. Wir möchten unsere ‚überschüssigen‘ Mittel für die Beendung dieser Bauten einsetzen. Auch möchten wir die Leute dazu motivieren, Reparaturen und Unterhalt selber in die Hand zu nehmen.

Qietsch Fidel - Plan B

Qietsch Fidel – Plan B

Wir danken allen unsern Spendern recht herzlich. Besonderer Dank gebührt Raban Brunner und Emanuel Amacker aus Eischoll. Sie haben uns mit ihren Comedy-Aufführungen rund CHF 15’000 in die Kasse ‚gelacht‘. Ein weiterer Dank gebührt den OS-Schülern aus Mörel, die uns schon zum zweiten Mal den Erlös ihres Weihnachtsbazars zukommen lassen. Auch die Kirchgemeinde Binn hat den Erlös des Suppentages spontan für unser Projekt zur Verfügung gestellt. Vergelt’s Gott auch den vielen privaten Spendern, die uns immer wieder mit kleineren und grösseren Geldsummen überraschen. Weitere Spenden nehmen wir natürlich weiterhin gerne entgegen (persönlich oder auch über Internet).

Ein herzliches “Vergelt’s Gott”!! 

Neu – jetzt kann man direkt spenden

age – Ab sofort hat der Leser die Möglichkeit, uns spontan zu helfen. Es kann via PayPal eine Spende gemacht werden. Dabei wird der Betrag je nach Möglichkeiten selber festgelegt werden. Wir sind für alle Beiträge dankbar und werden jeden Franken für unsere Projekte in Ecuador einsetzen.

Falls Sie auch ein Paypal Konto haben, können Sie uns damit in nur wenigen Sekunden Geld überweisen.

PayPal ist ein Online-Bezahlsystem mit dem einfach und schnell Geld transferiert werden kann. Um Ecuavision eine Spende über PayPal zukommen zu lassen, müssen Sie nur auf dem “Spenden”-Button drücken und wählen den Spendenbetrag selbst aus. Die Nutzung von PayPal ist für Sie gebührenfrei.

Leider funktioniert der Backlink nicht (ich hoffe, es sei ein noch nicht)

Que Dios le page
(Vergelt’s Gott)!!

Einmal nichts von Projekten!!

Nun komme ich endlich dazu, wieder mal ein paar Zeilen zu schreiben. Eigentlich wollte ich wieder etwas über unsere Arbeit berichten. Aber manchmal kommt es anders!

Am Mittwoch der Karwoche arbeitet ich mit Rodrigo und einem Arbeiter in Santo Domingo, um unseren Kindergarten fertig zu stellen. Kurz vor dem Mittagessen wollte ich ein Stück Eisendraht von einer Rolle abschneiden. Beim Öffnen der Rolle sprang mir der Draht (3-4mm dick) direkt ins Auge. Es floss Blut und Flüssigkeit heraus. Rodrigo fuhr mit mir sofort ins Dorf ins Centro de Salud, wo mir mitgeteilt wurde, das Auge sei nicht zu retten! Sie wollten mich nach Guaranda bringen. Zum Glück kamen Vreny und Padre Sandro, welche sofort sagten, dass wir auf eigene Faust nach Ambato (250’000 Einwohner) fahren würden, da sie wussten, dass dort die ärztliche Versorgung besser ist.

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Januar 2013

AE – Wollte eigentlich alle 14 Tage schreiben, aber eben: Stress 😉 wie in der Schweiz und wie ein typischer Pensionierter 🙂

[singlepic id=845 w=320 h=240 float=left]Die Festivitäten sind zu Beginn des Jahres besonders ausgiebig. Zuerst Neujahr und dann das Fest der Dreikönige (los Reyes). Neu ist in Ecuador ein Gesetz, dass Festivitäten nur noch bis 02.00 Uhr erlaubt, statt wie bisher toda la noche. Das ist darum von Bedeutung, weil bei jedem Fest mindestens ein grosser Lautsprecher draussen hingestellt wird, so dass die Leute in der Umgebung auch etwas vom „Krach“ haben.

[singlepic id=848 w=320 h=240 float=right]Reyes: Die Einkleidung der Reyes in den Communidades ist dabei aber viel wertvoller, als anschliessend das grosse Fest aller Könige in Simiatug. Die Könige versammeln sich ein erstes Mal am 5. Januar zu einer Vesper in der Kirche. Wie bei allen kirchlichen Anlässen, ist die Disziplin, von uns aus gesehen, bedenklich. Ähnlich wie bei uns bei Feldmessen, sind natürlich nicht alle in der Kirche. Und draussen herrscht ein emsiges Treiben in entsprechender Lautstärke. Nach der Vesper dauert das Fest mit den Königen bis ca. 5.00 Uhr. Dann kehren die Reyes in die Cumunidad zurück um am eigentlichen 3-Königsfest wieder in Simiatug zu sein. Alle Könige nehmen an der Messe von 11.00 Uhr teil. Am Nachmittag bringt jeder König sein Anliegen dem Herodes vor und anschliessend wird natürlich getanzt und viel Canelazo [singlepic id=853 w=320 h=240 float=left]und Drago getrunken. Ich konnte am Fest leider nicht teilnehmen, da ich die krebskranke Frau nach Ambato brachte, damit sie nach Quito zur Behandlung konnte.

Flor war eine Woche in Quito und wurde anschliessend heim geschickt. Nun ist sie zu Hause und wartet auf ihren Tod. Angel, ihr Mann, hat die Woche, in der sie in Quito war gearbeitet. Seither ist er wieder zuhause und hilft im Haus.

[singlepic id=855 w=320 h=240 float=left]Seit dem 7. Januar wird vermehrt am Kindergarten gearbeitet. Ich sehe aber bereits nach einigen Tagen, dass man den versprochenen Termin für die Eröffnung nicht einhalten kann. Leider werden uns zu wenig Arbeiter zur Verfügung gestellt. Einzelne Personen meinen immer wieder, dass es Dringenderes zu tun gibt, als die Fertigstellung eines ‚Kinder’gartens. Das bringt mich dann mal in Rage, dass ich für die Hauptverantwortliche nicht nur freundliche Worte finde – diese konnte ich auch auf Deutsch sagen, da sie Schweizerin ist.

[singlepic id=885 w=320 h=240 float=right]Nun wird aber das Werk beendigt – eine Übergabe ist für den 12. – 13. Februar vorgesehen. Warten wir ab: Paciencia y hora ecuatoriana.

Vreny hat in der Zwischenzeit wieder Katechese-Unterricht. Sie hat auch bereits zwei Nachmittage damit verbracht, den hiesigen Frauen „Strümpfe lismen“ beizubringen. Dies kommt übrigens sehr gut an, und es melden sich immer wieder Frauen (nachträglich), um das auch zu lernen.

Erfreuliche Meldung:
Wir haben ja nach unserer Geschwindigkeitsüberschreitung auf dem Weg von Ambato nach Quito eine Denuncia an die Regierung in Quito geschrieben. In abgelaufenen Monat mussten wir zweimal nach Guaranda wegen dieser Anklage. Das erste Mal mussten wir zusammen mit einem Advokaten genauer unsere „Version“ des Vorganges beschreiben. Diese Denuncia haben alle Polizisten erhalten, die an diesem Tag in der besagten Region Dienst hatten. Wir wurden dann ein zweites Mal aufgeboten nach Guaranda. Wir sollten die Polizisten anhand von Fotos erkennen. Man zeigt uns 33 Fotos. Ab diesen sollen wir den Täter überführen. Leider ist das für uns nicht möglich. Wir erwarten mindestens Fotos, wo man den Körper auch sieht. Der Polizist schlägt uns aber eine Live-Präsentation der Polizisten in Quito vor. Dies lehnen wir aber ab: aus Kosten-Nutzen-Gründen. Wir erklären der Polizei, dass wir erfreut sind, wie man versucht, die Korruption zu eliminieren und die Verwaltung und deren Umsetzung zu verbessern. Der Polizist, der extra von Quito kommt, ist damit zufrieden und verspricht, dass man derzeit alles unternehme, solche Vergehen zu verhindern und falls sie vorkommen, streng zu ahnden.
Der ganze Ablauf der Denuncia ist ein Aufsteller (des Tages) für uns – viva Ecuador – viva el presidente Correa!!

Weitere Bilder

Simiatug zwischen Weihnacht – Neujahr

AE -Zuerst zum eher ungemütlichen Teil. Kurz vor Weihnachten (am 18. Dezember) ruft mich Angelito an wegen seiner Frau Flor. Sie sollte an diesem Tag die nächste Chemotherapie bekommen. Die Ärzte sagen ihr, dass es keine Heilung mehr gibt für sie. Sie hat verschiedene Ableger. Angel und Flor beschliessen, nach Simiatug zurück zu kehren. Nach einem Zwischenhalt in Latacunga bei einer Schwester kommen sie nach Ambato, wo wir sie abholen. Vor der Abfahrt kaufen wir noch ein – für sie etwas Früchte und weisses Fleisch.

Flor in ihrem früheren Zimmer

Flor in ihrem früheren Zimmer

Weihnacht in Simiatug ist fast wie Fasnacht bei uns. Es gibt viele Bandas in den Strassen, die Musik machen von morgen früh bis abend spät. Natürlich gehört ein richtiges Mass an Drago-Konsum dazu. Weihnachtsbeleuchtung und Christbäume gibt es wenige bis keine. Krippen hingegen werden an vielen Orten aufgestellt: in Pärken, grösseren Firmen, auf fixen Märkten und natürlich in Kirchen.

Am Mittwoch, 26. Dezember, bekommen wir Besuch aus der Schweiz. Monika Kiechler macht eine Südamerikareise. Wir holen sie in Ambato ab und machen gleich noch unsere Einkäufe und den Einkauf für’s Kinderfest vom 29. Dezember.

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Das dritte Halbjahr beginnt

AE – Am 30. November spät abends landen wir in Quito. Wir sind sehr überrascht von der Anzahl, die vor den Schaltern der Migration warten – die Wartezeit beträgt ziemlich genau 1.5 Stunden. Die Koffern finden wir nachher alle neben den Förderbändern. Der Grund für die vielen Leute ist der starke Regen am 29. und am 30. November. Viele Flüge wurden nach Guayaquil umgeleitet und die Passagiere nachträglich nach Quito geflogen.

Wir passen uns zuerst 3 Tage an die Höhenluft an. In dieser Zeit besuchen wir die krebskranke Flor und die operierte Carmen. Flor wohnt mit ihrem Mann und ihrer Tochter, die bei ihr auf Besuch ist in einem feuchten, kellerähnlichen Zimmer ohne Fenster von ca. 8 m2. Es hat aber wenigstens ein Bad mit Dusche – das sie mit ein paar Nachbarn teilen müssen – dies ist einigermassen sauber.

Es tut einem weh, wenn man solche Verhältnisse sieht. Sie sie sind aber auch sehr unbeholfen. Die Matraze ist auf dem feuchten Betonboden und hier schlafen die drei. Leider sind sie nicht so ordentlich und die Kleider liegen herum. Die Kost ist auch nicht die beste. Zum Frühstück gibt es zum Beispiel Yuca (wie Kartoffel, aber härter). Das ist sicher keine Kost für eine krebskranke Frau. Die Frau wiegt übrigens nur noch ca. 35 kg.

Wir beschliessen, eine andere Unterkunft für sie zu suchen. Cornelia vermittelt uns eine Adresse von einer Ärztin  und von einer Stiftung, die Leute aus den entlegenen Provinzen aufnehmen, wenn sie zur Therapie nach Quito kommen.

Am Samstag fahren wir mit dem Sohn von Flor nach Quito, um zu zügeln und um unsere Schriften (Visa) in Ordnung zu bringen. Das Prozedere  spielt sich für ecuadorianische Verhältnisse relativ schnell ab. Wir sind ca. 1 Stunde vor Schalteröffnung im Wartsaal, kommen aber nach Schalteröffnung schon nach 30 Minuten an die Reihe.

Wir fahren anschliessend zu Flor um mit ihr eine Ärztin zu konsultieren. Dort werden wir informiert, dass es nahe vom Krebsspital (Solca) ein Haus gibt, wo sie für $ 4 in (Vollpension, Extrakost für Krebskranke) sein können und dass sie betreut werden. Leider stimmen nur zwei Drittel der Informationen – der Preis und die Kost. So muss ständig eine Person bei Flor sein. Da die Geschwister von Flor nicht viel helfen, muss Angel – der Ehemann – bei ihr bleiben. Kostet natürlich auch $ 4 – und was noch fast schlimmer ist, er kann kein Geld verdienen. Wir werden versuchen, die Familie besser zu engagieren, so dass Angel arbeiten gehen kann.

Flor in ihrem früheren Zimmer

Flor in ihrem früheren Zimmer

Am Montag findet die Züglerei statt. Mit unserem kleinen Auto konnten wir alles laden (inkl. Personen), was sie in diesem Heim braucht. Am Dienstag gehen wir noch die Sachen holen, die Angel zum Kochen ausgeliehen hat vom Schwager in Ambato. So um 13.00 Uhr verlassen wir Flor mit den beiden Kindern um im Süden von Quito noch eine ältere Frau von Simiatug und eine Tocher von Rodrigo mit ihrem Töchterchen zuzuladen.  Um 16 Uhr sind wir in Ambato, wo wir noch einkaufen und essen. Simiatug erreichen wir um zirka 20 Uhr.

NB – Exkurs

Auf der Fahrt nach Quito zwischen Ambato und Quito hat es einen Bereich – in der Nähe vom Cotopaxi (einem fast-6000er) – hat es einen ziemlichen Anstieg, wo man mit einer Geschwindigkeit zwischen 60 und 80 fahren kann. Einmal oben angelangt, drückt man immer noch im gleichen Stil auf das Gaspedal – ich erreiche so bald einmal 120 km/h , bemerke das und versuche langsamer zu werden. Die Polizei lässt mich noch mehr abbremsen. Ich wurde mit dem Radar erfasst: 116 statt 100. In der Zwischenzeit gibt es Geschwindigkeitsvorschriften: 50 innerorts, 80 ausserorts und 100 auf einzelnen Abschnitten auf ‚Autobahnen‘. Die Polizei verlangt $ 86, die wir auch anstandslos bezahlen. In unserer Naivität verlangen wir keine Quittung. Die Polizisten werden das Geld für Weihnachtseinkäufe gut gebrauchen. Carmen hilft uns dann am Sonntag, eine Denuncia zu schreiben (Anzeige der Polizei). Die Polizei darf nämlich keine Bussen einkassieren – nur Belege mitgeben zum Einzahlen der ausgesprochenen Busse bei der Bank. Mal schauen ob die Denuncia was fruchtet. Ich hinterlege diese am Dienstag früh im Innenministerium in Quito.

[form anmeldung-ecuavision]

Telefonsturm

AE – Am vergangenen Samstag ( 20. Okt. 2012) fand der Comedy-Abend mit Raban Brunner und Emanuel Amacker sowie ihren Helfern in Grengiols statt. Es war ein sehr unterhaltsamer Abend, mit einem tollen Publikum. Vielen Dank an alle Anwesenden und vor allem an die Akteure auf und hinter der Bühne.

Auch finanziell war der Anlass ein toller Erfolg – Vielen Dank den grosszügigen Spender!

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Que dios le page (Vergelt’s Gott), würden die Ecuadorianer sagen.

Abschlussbericht

Vreny: Soeben haben wir eingecheckt und Zeit einen Rückblick auf die letzten Wochen zu werfen, eine sehr intensive Zeit muss ich sagen. Das Highlight dieser Zeit war wohl mein Geburtstagsfest. Wir waren bei den Schwestern eingeladen, feierten gemeinsam eine längere Messe, in der Padre Sandro so einen kleinen Rückblick auf Voluntarias hielt und wir überlegten, warum man wohl so viel Mühe auf sich nimmt.

Leider konnte Eddy nicht dabei sein, er war mit der kranken Frau seines Freundes unterwegs und kam dann erst etwas verspätet zum Essen. Das Essen war sehr fein, dazu eine kleine Ansprache der Oberschwester und anschliessend führten die Voluntarias einen Tanz mit der einheimischen Bekleidung auf und dann hatten sie noch ein schönes Spiel auf Lager, alles zu Ehren des Geburtstagskindes. Zum Schluss wurden wir noch reich beschenkt, einige Andenken aus Ecuador und eine aus Papier gebastelte und beleuchtete Grotte mit der Muttergottes von Don Bosco. Ich konnte nur staunend sagen: Ich hab nicht gewusst, dass wir für euch alle so wichtig sind!

[nggallery id=31]Dann war der Ausflug nach Baños und Puyo. Anschliessend machte ich mich ans Vorhänge nähen. Im Saal des Pfarrhauses haben sie nämlich immer Probleme mit der Verdunkelung, wenn sie einen Film oder eine Powerpoint-Presentation machen wollen. So war ich dann ein paar Abende am Nähen. Auch haben Padre Sandro oder Eddy immer wieder etwas zu flicken. Dieses Jahr war das alles schon einfacher, weil ich einfach zu den Schwestern gehen konnte, wenn ich eine Maschine, Faden oder Wolle brauchte. Das wusste ich letztes Jahr noch nicht und ich ging ins Nähatelier, wo es dann manchmal keinen Platz hatte und auch viel kälter ist.

Dann fanden noch zwei Werkstätten für Unterhalt und Reinigung statt. Für beide Tage mussten wir die Einkäufe tätigen und dann unterrichten, einmal in Pampa de Allago und das andere Mal in Mindina, wo man neue Häuser fürs Brot backen gebaut hat und Touristen bewirten möchte. Die vorgängigen Gespräche waren recht fruchtbringend! Die Teilnehmer konnten darüber nachsinnen, wie sie auf Touristen reagieren oder worüber sie sich Sorgen machen und ich konnte einbringen, was wir als Touristen erwarten oder wovor wir Angst haben.

Auch wollte ich nochmals meine Blumen pflegen, den Pfarrgarten jäten – zwei Nachmittage – und den Kirchplatz fegen. Für den Platz habe ich eine breite Bürste gekauft, damit das ein wenig schneller geht und diesmal ging es noch schneller, weil drei meiner Schüler zu Hilfe kamen und mir und Padre Sandro zur Hand gingen, natürlich im Hinblick auf ein paar Cents. Einmal halfen sie sogar morgens während ihrer Schulpause, die ist hier, so scheint es uns ein bisschen lang – eine Stunde. Die Schulzeit dauert von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr.

In der letzten Woche hatten wir noch zwei Abschiedsfeste, eines mit den Arbeitern und das andere mit den Schwestern. Für die Arbeiter hiess es Eddy’s Kleider bereitmachen, jeder Arbeiter konnte in der letzten Sitzung eine Nummer ziehen und erhielt dann den Sack mit seiner Nummer: Hose, Jacke, Pullover oder Hemd mit T-Shirt.

Für die Schwestern hatte Eddy eine PowerPoint-Presentation bereit gemacht – aus unserer Heimat und wie wir so leben. Die Stimmung schien jedoch ein wenig bedrückt, im Hinblick auf unseren Abschied. Sicher gönnen uns alle eine Pause, warten jedoch alle auf unser Wieder-Auftauchen. Wir können einfach nur sagen: „So Gott will!“ – sind ja auch nicht mehr die jüngsten.

Schlussendlich wollten wir uns noch von den kranken Frauen verabschieden, was dann ziemlich emotional war, beide verabschiedeten sich unter Tränen, wohl aus Dankbarkeit.

Bis zum letzten Moment war unser Terminkalender voll und wie letztes Jahr wollten es sich die Arbeiter nicht nehmen lassen, sich persönlich nochmals von uns zu verabschieden. Sogar Mütter mit ihren Kindern kamen extra noch auf den Dorfplatz zu einer letzten Umarmung.

Diesmal haben wir Begleitung von Rodrigo und seiner Frau. Sie werden unser Auto nach Simiatug zurück nehmen und in die Garage von Padre Sandro stellen. So haben wir nicht gross Zeit, Heimweh zu haben und auf dem Weg werden schon wieder Pläne geschmiedet, was sich noch ändern sollte!

 

 

 

 

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